Das Schanzenfest findet am 23. Mai vor dem Referendum zu Olympischen Spielen in Hamburg statt. Neben Ständen von Anwohner:innen und Initiativen gibt es eine Livebühne, Kundgebungen und inhaltliche Veranstaltungen gegen Gentrifizierung, Überwachung und Vertreibung und die Folgen olympischer Spiele.
Zudem kündigen wir bereits zum jetzigen Zeitpunkt für den Fall, dass eine Olympiabewerbung nicht bereits durch das Referendum mit einem Nein verhindert werden sollte, ein Schanzenfest zu den Eröffnungsfeiern der Spiele 2036, 2040 oder 2044 an.

Als direkt betroffene Anwohner:innen von Sicherheitsarchitekturen und Umstrukturierungen wird unser Protest und Widerstand gegen olympische Spiele weitergehen. Insgesamt 20 der 33 geplanten Wettkampfstätten liegen direkt im Hamburger Stadtgebiet, 17 davon – also 85 Prozent – in einem Radius von nur sieben Kilometern rund um das Heiligengeistfeld.
Was euphemistisch als Spiele der kurzen Wege beworben wird, bedeutet für alle, die hier leben, wochenlange Polizeieinsätze, Hochsicherheitszonen, Kontrollen, Aufenthaltsverbote, Kameras, Hubschrauber- und Drohneneinsätze. Die Wirklichkeit ist weit davon entfernt, ein olympisches Dorf zu sein. Und wir werden dieses nicht in Hamburg willkommen heißen.
Nein zu Olympia
Glaubt mensch aktuellen Versprechungen auf Plakaten und Werbeanzeigen der Pro-Olympia Kampagne, ziehen mit der Zustimmung zu einer Olympiabewerbung in Hamburg nun Zeiten von Milch und Honig ein. Vorbei die Krisen und und mahnenden Worte, der Gürtel müsse enger geschnallt, mehr und selbstverständlich auch länger gearbeitet werden. Barrierefreier Nahverkehr und Gehwege, mehr Wohnungen und sogar dickere Brötchen werden versprochen.
Mal abgesehen von der wichtigsten Frage: Wieso zum Teufel sollten wir eigentlich auf Barrierefreiheit und Wohnungen bis 2036, 2040 oder gar 2044 warten und was läuft in der Politik und Ökonomie eigentlich falsch, wenn diese glaubt, ohne Olympia seien solche Dinge nicht zu schaffen?
Die Kommunikation bewegt sich auf Ebene einer Folge der Teletubbies. Alles bunt und spaßig, keine Probleme, Puddingmatsch und am Ende wird alles einfach so oft wiederholt, bis es sitzt.
Offensichtlich halten Politik und Pro-Olympia Kampagne die Menschen für verblödet und die Abstimmung für nerviges Beiwerk einer schmucken Olympiabewerbung. Sonst würde die Ansprache nicht in einer Art gehalten sein, wie Eltern ihren Kindern von Weihnachten und der frohen Bescherung erzählen. Die olympischen Geschenke kommen vom Weihnachtsmann und werden auf kurzem Weg vom Nordpol mittels klimaneutraler Schlittenfahrt angeliefert. Daumen hoch fürs Klima.
Ähnlich verhält es sich bei den restlichen Erzählungen und Kosten von Olympia. Belastbare Zahlen fehlen. Aussagen, wer für ein Minus bezahlt und aufkommt, ebenso. Da aber bereits die Millionenkosten für eine ungewisse Bewerbung aus Steuermitteln finanziert werden, von denen übrigens kein Cent refinanziert wird, ist ja Spritgeld, fällt die Antwort leicht. Die großspurigen Pläne, überdimensionierten Sportstätten mit Rückbau samt dicker Brötchen werden am Ende von allen aus Steuermitteln bezahlt.
Von allen? Moment. Natürlich nicht vom reicheren Teil der Bevölkerung. Die werden schließlich als „Leistungsträger“ betrachtet und bezahlen als Privileg ohnehin kaum Steuern. Man ahnt das Ende vom Lied. Finanziert werden die dicken Brötchen am Ende vor allem vom ärmeren Teil der Bevölkerung und durch Einsparungen im Sozialbereich und die Schließung von Stadtteilprojekten. Die Unterlassungen, Schönfärbereien und unverhohlenen Lügen im Vorfeld der Bewerbung werden sich in der Folge als vermeintliche Sachzwänge fortsetzen und am Ende, wie so oft, will niemand Schuld gewesen sein.
Schanzenfest 2036, 2040 und 2044
Wir sagen daher und aus vielen weiteren Gründen frühzeitig Nein zu Olympia. Nicht nur zur Austragung, sondern auch zum gesamten Bewerbungsprozess, der teuer, ungewiss und völlig unnötig ist. Wir hoffen auf ein Scheitern der Olympiabewerbung bereits im Bürgerbegehren. Sollte es aber aufgrund der millionenschweren Kampagne von Senat und Wirtschaft anders kommen, der Bewerbungsprozess weitergehen und Olympia in Hamburg stattfinden, kündigen wir bereits jetzt ein Schanzenfest zu den Eröffnungsfeiern der Spiele 2036, 2040 oder 2044 an.
Gegen deutsche Kontinuitäten, Nationalismus, Ausgrenzung und Vertreibung. Gegen Sicherheitsarchitekturen, Korruption und Vermarktungsinteressen. Und weil wir nicht nur gegen Dinge sein wollen: Für offene Grenzen, Diversität, Seenotrettung, soziale Kämpfe und Straßen, auf denen sich Widerständigkeiten und Kultur in Selbstbestimmung begegnen. Olympische Spiele wird es in Hamburg nicht ohne uns und Proteste geben. Wir erklären das Terrain zum umkämpften Raum.
Organisatorisches zum Fest 2026
Beim diesjährigen Fest wird es einige Änderungen geben und wir bitten alle, darauf hinzuweisen und zu informieren. Das Fest wird dieses Jahr in der gesamten Bartelsstraße stattfinden. Damit soll mehr Platz geschaffen und Engstellen vermieden werden. Zusätzlich wird die Susannenstraße bis Rosenhofstraße abgesperrt. Der Knochen und Kreuzungsbereich zwischen Susannenstraße und Bartelsstraße soll daher von Ständen freigehalten werden, um Fluchtwege freizuhalten und ein gutes Durchkommen zu ermöglichen.
Das Fest findet in der Bartelsstraße und Susannenstraße, Schanzenstraße bis zum Kreisel und Ludwigstraße bis zur Sternstraße statt. Alle sind aufgefordert, darauf zu achten, dass eine Rettungsgasse mit einer Breite von 3,50 Meter vorhanden ist. Rund um den Festbereich wird es zudem robuste Strassenabsperrungen geben. Fahrzeuge müssen rechtzeitig weg geparkt werden. Während des Festes wird keine Zu- oder Abfahrt mehr möglich sein.
Der Aufbau beginnt um 9 Uhr. Der Charakter des Festes ist unkommerziell und selbstorganisiert. Kommerzielle Stände sind nicht willkommen und wir bitten alle Teilnehmenden um ein respektvolles und umsichtiges Verhalten.
Auf dem Fest werden auch in diesem Jahr Spenden für die Durchführung des Festes, die Arbeit von Stadtteilinitiativen und kriminalisierte Antifaschist:innen gesammelt. Achtet auf entsprechende Hinweise.
In der Schanzenstraße wird es eine Livebühne mit politischen Kundgebungen und Bands und in der Ludwigstraße ein Veranstaltungszelt mit der Ini Sternbrücke und dem Bündnis Kulturszene Sternbrücke und Nolympia Hamburg geben. Mehr zu Programm und Zeiten im Folgenden.
Programm Veranstaltungszelt Ludwigstraße
15:30 Sternbrücke: Verloren und doch gewonnen!
6 Jahre Protest und wie es weitergeht. Mit: Ini Sternbrücke und Bündnis Kulturszene Sternbrücke
https://www.instagram.com/initiativesternbruecke
17:00 Olympia: Ein Alptraum für die Anwohner*innen?
Welche Auswirkungen Olympia für das Schanzenviertel, St. Pauli und umliegende Quartiere hätte.
https://www.instagram.com/nolympia.hamburg
Programm Bühne Schanzenstraße
14:00 Grand Opening / tba
15:00 Kundgebung mit:
Lobbygruppe gegen Verdrängung und Diskriminierung
https://www.instagram.com/lovd2030
Copwatch
https://www.instagram.com/copwatch_hh
Bündnis Hansaplatz
https://www.instagram.com/buendnishansaplatz
Initiative Sternbrücke
https://www.instagram.com/initiativesternbruecke
15:40 Re:Wollte
Akustik Streetpunk
https://linktr.ee/rewollte
16:30 Kundgebung: Nein zu olympischen Spielen
Mit aktuellen Informationen von https://www.instagram.com/nolympia.hamburg
17:11 Fun total
Postpunk
https://funtotal.bandcamp.com
18:07 Strunk
Punkrock aus dem Emsland
https://www.instagram.com/strunk__official
19:10 Kem Trail
8-Bit Elektropunk
https://kemtrail.bandcamp.com/music
20:03 Jesus Skins
NOilympischer Segen
21:08 MCE + L-Sura / Kiezrap Connewitz
https://www.instagram.com/mce_offiziell/
https://www.instagram.com/l_sura_/
Infos und Orga: schanzenfest.noblogs.org
Kontakt: antifaschanzenfest@nadir.org
Mehr Informationen und Argumente gegen Olympia: https://www.nolympia-hamburg.de